Aktuell

Vor 40 Jahren wurde das Schengener Abkommen unterzeichnet. Es ermöglichte die Abschaffung der Kontrollen an den EU-Binnengrenzen und schließt heute 29 Länder ein. Anlässlich des runden Jubiläums organisieren das EMN Luxemburg und das UniGR-CBS am 11. Juni eine internationale Konferenz. Dort diskutieren Forschende, Entscheidungsträger:innen und zivilgesellschaftliche Kräfte über die Personenfreizügigkeit in Grenzregionen, die Wiedereinführung temporärer Grenzkontrollen und die Rolle der EU-Außengrenzen im Schengen-Raum.

In der Grenzforschung hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass Grenzen komplexe Phänomene seien. Wenig diskutiert wird jedoch, was genau an Grenzen als komplex gilt. Im neuen UniGR-CBS Working Paper zeigt C. Wille, was Grenzforschende gegenwärtig als komplex betrachten und fragt, welche konzeptionellen Entwicklungen den Diskurs über komplexe Grenzen befördert haben. Der Autor schließt mit Überlegungen, wie Komplexitätstheorien die Grenzforschung inspirieren können.

Kulturwissenschaftliche Perspektiven haben sich spätestens seit der Jahrtausendwende in den Border Studies durchgesetzt und die dort dominierende Position der Raumwissenschaften relativiert. Die so entstandene Strömung der Cultural Border Studies wird im neuen „Handbuch Kulturwissenschaftliche Studies“ erstmals systematisiert und vorgestellt. Die Autor:innen A. Fellner und C. Wille lehren Cultural Border Studies und forschen über Grenzen aus alltags- und populärkultureller Perspektive.

Vor zehn Jahren wurde das UniGR-Center for Border Studies ins Leben gerufen. Das runde Jubiläum wurde in diesem Jahr mehrfach gefeiert, zuletzt mit einer hochkarätigen Podiumsdiskussion. Anlässlich der Feierlichkeiten haben D. Rodrigues und C. Wille eine Jubiläumsausgabe im Podcast ON AIR aufgenommen. Darin erklären sie, wie das Center entstanden ist und welche Rolle dabei der Küchentisch einer Kollegin gespielt hat.

Die horizontalgeographische Forschung sowie die Grenzforschung unternehmen verstärkt synthetische Betrachtungen von Räumen bzw. Grenzen. Wie diese forschungspraktisch realisiert werden können, zeigt C. Wille in seinem Beitrag am Beispiel des Complexity Shift in der Grenzforschung. Dabei diskutiert er konzeptionellen Annahmen, analytische Unterscheidungen und methodologische Herausforderungen. Der Beitrag setzt Impulse für die konzeptionelle Weiterentwicklung synthetisierender Betrachtungen, die Grenzen als horizontale Geographien analysierbar machen.

Fellner, Astrid M. / Wille, Christian (2025): Cultural Border Studies. In: Nesselhauf, Jonas / Weber, Florian (Hg.): Handbuch Kulturwissenschaftliche "Studies". Berlin, de Gruyter, 47-67. mehr Info
Wille, Christian (2024): Border Complexities. Outlines and Perspectives of a Complexity Shift in Border Studies. In: Wille/Leutloff-Grandits/Bretschneider/Grimm-Hamen/Wagner (Hg.): Border Complexities and Logics of Dis/Order. Baden-Baden, Nomos, 31-56. mehr Info
Wille, Christian (2024): European Border Region Studies in Times of Borderization: Overview of the Problem and Perspectives. Borders in Globalization Review 5(1), 92-100, doi: 10.18357/bigr51202421528. mehr Info
Fellner/Nossem/Wille (Hg.) (2024): Border Renaissance (special section). Borders in Globalization Review 5(1), 67-158. mehr Info
Wille, Christian (2024): Grenzen als horizontale Geographien? Perspektiven für synthetische Betrachtungen am Beispiel des Complexity Shift in der Grenzforschung. In: Weber/Kühne/Dittel (Hg.): Transformation Processes in Europe and Beyond. Perspectives for Horizontal Geographies. Springer VS, 107-132. mehr Info
Wille, Christian (2021): Vom processual shift zum complexity shift: aktuelle analytische Trends der Grenzforschung. In: Gerst/Klessmann/Krämer (Hg.): Grenzforschung. Handbuch für Wissenschaft und Studium. Nomos, 106-120. mehr Info