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Das Verhältnis von Grenze und Raum hat im Jahr 2020 erneut an Bedeutung gewonnen. Es ist Gegenstand der Podiumsdiskussion „BorderStudiesTalk“, auf der Grenzforscher*innen und Geograph*innen fragen, was ihre Disziplinen voneinander lernen können. Die Veranstaltung baut auf dem rezenten Buch „Geographien der Grenzen“ (Springer) auf und findet am 9. Oktober 2021 im Rahmen der virtuellen GeoWoche2021 statt.

Das Buch „Grenzerfahrungen“ arbeitet die deutsch-französischen Beziehungen im Spiegel der Ereignisse während der COVID-19-Pandemie auf. Die Autor:innen aus Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft zeigen, wie tief der Schock der Grenzschließungen noch sitzt. Sie weisen aber auch Wege, wie Krisen zukünftig gemeinsam bewältigt werden können. Einer der Herausgeber, Florian Weber, erklärt im Gespräch mit C. Wille, was ihn zu dem Buchprojekt antrieb.

Borderscapes überwindet das Denken in territorialen Ordnungen, sensibilisiert für die Komplexität von Grenzen und betrachtet sie als Ressourcen. Allerdings kann der Ansatz nur schwer auf den Begriff gebracht werden, steht er doch für einen theoretisch-konzeptionellen Rahmen, der Grenzforschende orientiert und Spielräume für Aneignungen und Mehrdeutigkeiten lässt.

Migration und Populismus sind nur einige Gründe, warum von einer Rückkehr der Grenze gesprochen wird. Genauso hat die Pandemie Grenzen aufleben lassen und gezeigt, dass Vergrenzungen auch im Schengen-Raum stattfinden. Vor diesem Hintergrund problematisiert der Blog-Beitrag, dass die europäische Grenzraumforschung weiter der geschwächten Leitidee eines Europa ohne Grenzen folgt. Vorgeschlagen wird stattdessen eine Perspektivweitung, die sich an der globalen Grenzforschung orientiert.

C. Wille ist zu Gast im Interdisziplinären Zentrum für Europa-Studien der Universität Flensburg. Dort arbeitet er am Ansatz der Bordertexturen und entwickelt mit den Kolleg*innen Projekte im Feld der Border Complexities. Sein Forschungsaufenthalt stärkt die Beziehungen zwischen dem UniGR-Center for Border Studies und den Grenzforscher*innen von der deutsch-dänischen Grenze.

Wille (2021): The return of borders. Ein Kommentar zur Grenzraumforschung in Zeiten der Vergrenzungen. Weber/Theis/Terrollion (Hg.): Grenzerfahrungen | Expériences transfrontalières. Springer VS, 379-390. mehr Info
Wille (2021): Vom processual shift zum complexity shift: aktuelle analytische Trends der Grenzforschung. In: Gerst/Klessmann/Krämer (Hg.): Grenzforschung. Handbuch für Wissenschaft und Studium. Nomos, 106-120. mehr Info
Wille/Gerst/Krämer (Hg.) (2021): Identities and Methodologies of Border Studies: Recent Empirical and Conceptual Approaches. Borders in Perspective 6. mehr Info
Wille/Weber (2020): Analyzing border geographies in times of COVID-19. In: Mein/Pause (Hg.): Self and Society in the Corona Crisis. Perspectives from the Humanities and Social Sciences. Melusina Press. mehr Info
Wille/Kanesu (Hg.) (2020): Bordering in Pandemic Times. Insights into the COVID-19 Lockdown (thematic issue). Borders in Perspective 4. mehr Info
Wille/Nienaber (Hg.) (2020): Border Experiences in Europe. Everyday Life – Working Life – Communication – Languages. Nomos. mehr Info