Aktuell

Die europäische Grenzraumforschung ist spätestens seit der Covid-19-Pandemie mit Phänomenen konfrontiert, mit denen sie sich bisher kaum auseinandergesetzt hat. Wie sie sich aber für die neuen Fragestellungen in Zeiten der Vergrenzungen aufstellen kann, skizziert C. Wille in seinem jüngsten Beitrag. Er schlägt eine Erweiterung der Forschungsagenda um alltagskulturelle Fragen und ein Überdenken des verwendeten Grenzbegriffs vor.

Grenzen stehen wieder verstärkt im Zentrum gesellschaftlicher Debatten. Ihr Wiedererstarken manifestiert sich allerdings in einer paradoxen Weise: Während Grenzmauern errichtet und Grenzanlagen ausgebaut werden, finden Regulations- und Kontrollpraktiken zunehmend transterritorial und unsichtbar statt. Diese Entwicklungen verweisen auf die Notwendigkeit, den Grenzbegriff zu überdenken. Dafür werden ausgewählte Zugänge überblicksartig vorgestellt.

In der jüngsten Ausgabe von „Borders in Perspective“ erproben die Autor:innen den analytischen Zugang der Multivalenz mit Analysebeispielen von Governance, Flucht, Berichterstattung, Film und Literatur. In sechs Beiträgen zeigen sie multiple Valenzen von Grenzen auf, rekonstruieren die dafür relevanten Ordnungslogiken und leisten einen wichtigen Beitrag zur Profilierung des Multivalenz-Begriffs in der Grenzforschung.

Das UniGR-Center for Border Studies (UniGR-CBS) wurde mit dem Interregionalen Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Verliehen wurde der Preis für das Interreg VA GR-Projekt „Europäisches Kompetenz- und Wissenszentrum für Grenzraumforschung“, das exzellente Grundlagen für eine starke Grenzforschung in der Großregion gelegt hat. Die Grenzforscher:innen setzen das Preisgeld ein, um die Internationalisierung des UniGR-CBS weiter voranzutreiben.

Das „Institut Institut des Frontières et Discontinuités” organisiert am 16.11.2022 an der Université d’Artois ein Symposium zu den Auswirkungen der Pandemie in Grenzregionen. Die Referent:innen aus Polen, Frankreich, Deutschland, Luxemburg und Brasilien stellen Befunde aus Europa und Lateinamerika vor. F. Weber und C. Wille vom UniGR-Center for Border Studies geben Einblicke in die Situation in der Großregion.

Wille/Weber/Fellner (Hg.) (2023): B/Orders are (not) everywhere (for everyone): On the multivalence of borders in a flee(t)ing Europe. Borders in Perspective 8. mehr Info
Wille (2023): Europäische Grenzraumforschung in Zeiten der Vergrenzung: Problemaufriss und Perspektiven. Brodowski/Nesselhauf/Weber (Hg.): Pandemisches Virus – nationales Handeln: Covid-19 und die europäische Idee. Springer VS, 25-43. mehr Info
Funk/Wille (2022): Stresstest für die Jugendmobilität im Grenzraum. Grenzüberschreitende Berufsausbildung und Studium während der Pandemie – Erfahrungen und Perspektiven. Panorama. Deutsch-französische und europäische Analysen 2. mehr Info
Wille (2021): Vom processual shift zum complexity shift: aktuelle analytische Trends der Grenzforschung. In: Gerst/Klessmann/Krämer (Hg.): Grenzforschung. Handbuch für Wissenschaft und Studium. Nomos, 106-120. mehr Info
Wille/Gerst/Krämer (Hg.) (2021): Identities and Methodologies of Border Studies: Recent Empirical and Conceptual Approaches. Borders in Perspective 6. mehr Info
Wille/Weber (2020): Analyzing border geographies in times of COVID-19. In: Mein/Pause (Hg.): Self and Society in the Corona Crisis. Perspectives from the Humanities and Social Sciences. Melusina Press. mehr Info