Atypische Grenzgänger in der Großregion

Die atypischen Pendelbewegungen gewinnen in der Großregion zunehmend an Bedeutung. Bezeichnet werden damit Grenzgänger, die aus dem benachbarten Ausland in die ‚angestammte Region’ an ihren Arbeitsplatz kommen. Dabei ist Lothringen eine bevorzugte Wohnregion und Luxemburg sowie die deutschen Bundesländer sind bevorzugte Arbeitsregionen.

Das Phänomen hat sich in den letzten Jahrzehnten besonders in Lothringen und in den anderen Anrainerregionen Luxemburgs entwickelt. Die hier pendelnden atypischen Arbeitnehmer wohnen zumeist in dörflichen Gemeinden in unmittelbarer Grenzlage und sind eher den jüngeren bis mittleren Altersgruppen zuzurechnen. Die Gründe für den Wohnortwechsel leiten sich weitgehend aus dem Anliegen ab, Wohneigentum zu erwerben und dabei von regionalen Preisunterschieden zu profitieren. So spielen regionale Differenzen hinsichtlich der Preise für Baugrund und Immobilien eine Rolle sowie bestimmte Ereignisse der Lebensspanne. Mit Blick auf die atypischen Grenzgänger in Richtung Luxemburg ist die Besonderheit auszumachen, dass sich unter ihnen viele Franzosen, Belgier und Deutsche befinden, die durch den Wohnortwechsel in ihr Herkunftsland zurückkehren.

Durch die Beibehaltung des Arbeitsplatzes in der ehemaligen Wohnregion verlängern sich für atypische Grenzgänger die Anfahrtswege an den Arbeitsplatz. Ihr Aktivitätsraum dehnt sich demnach aus, jedoch bleibt die räumliche Organisation der Alltagsaktivitäten weitgehend auf die ehemalige Wohnregion zentriert. Dies ist neben bestehenden sozialen Bindungen vor allem auf die räumliche Verteilung der genutzten Freizeit- und Dienstleistungsangebote zurückzuführen.

Am neuen Wohnort bewirkt die wachsende Nachfrage nach Wohneigentum eine Anhebung von Boden- und Immobilienpreisen, was mancherorts zu Spannungen zwischen Zugezogenen und autochthonen Einwohnern führt. Ferner ist die Tendenz auszumachen, dass die Zugezogenen weitgehend in modernen Neubaugebieten außerhalb der gewachsenen Siedlungskerne unter sich bleiben, was den Kontakt mit der autochthonen Bevölkerung nicht begünstigt. Rückblickend bewerten die atypischen Grenzgänger ihren Wohnortwechsel positiv, ist mit der Wohnsitzverlagerung im Allgemeinen doch ein Hauskauf oder -bau und damit ein verbesserter Wohnkomfort verbunden.

Wille (2011): Atypische Grenzgänger in der Großregion. GR-Atlas Paper Series 30. mehr Info