Grenzüberschreitende Berufsausbildung & Studienprogramme während der Pandemie

Grenzüberschreitende duale Berufsausbildung und grenzüberschreitende Studienprogramme gehören zu den Lebensrealitäten in deutsch-französischen Grenzregionen. Die Covid-19-Pandemie stellte Auszubildende und Studierende solcher europäischen Bildungsprogramme allerdings vor enorme Herausforderungen. Durch die Grenzschließungen wurden sie vom Partnerland abgeschnitten, wodurch grenzüberschreitendes Lernen nur noch eingeschränkt möglich war. Über Online-Angebote konnten Auslandsaufenthalte zwar teilweise durchgeführt werden, sie konnten aber die interkulturellen Alltags- und Studienerfahrungen vor Ort nicht ersetzen. Diese und weitere Erfahrungen arbeiten Ines Funk (Universität des Saarlandes) und Christian Wille (Universität Luxemburg) im Auftrag des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) in einer wissenschaftlichen Studie auf.

Die grenzüberschreitende Studie wendet sich jungen Menschen zu, die in der Nachbetrachtung der Pandemie kaum Berücksichtigung fanden. Die Autor:innen analysieren zunächst die Pandemiefolgen für die duale Berufsausbildung an der deutsch-französischen Grenze. Dabei stützen sie sich auf eigene Interviews, die Einblicke in die Dynamiken der grenzüberschreitenden Kooperation im Berufswesen geben in einer Zeit, die nicht nur von Covid-19, sondern auch von einer institutionellen Neuordnung geprägt war. Im Weiteren stellen die Autor:innen die Ergebnisse einer eigenen Befragung von Studierenden grenznaher Bachelor- und Master-Studienprogramme in der Großregion vor. Sie wurde an der Universität des Saarlandes koordiniert und gibt Auskunft über die physische und virtuelle Mobilität von Studierenden, über ihre sozialen Kontakte sowie den Beratungs- und Unterstützungsbedarf in den Jahren 2020 und 2021. Mit anschaulichen Beispielen aus dem trinationalen UniGR-Master in Border Studies werden die Ergebnisse illustriert.

“Die Pandemie hat gezeigt, dass sich die Prioritäten auf der politischen Agenda verschieben können. Grenzüberschreitende Ausbildungsangebote können so rasch an politischer Bedeutung verlieren, insbesondere in den zuständigen nationalen Ministerien, was zum Teil auch mit einer Verknappung von finanziellen und personellen Ressourcen einhergeht.”

Ines Funk und Christian Wille (2022)

Die Erfahrungen von Auszubildenden und Studierenden grenzüberschreitender Bildungsprogramme und die Einblicke, die regionale Akteuren der grenzüberschreitenden Berufsausbildung geben, erlauben abschließende Überlegungen für die Zukunft. Dafür interpretieren die Autor:innen die pandemische Situation als einen durchlaufenen Stresstest, der verdeutlicht, dass die Besonderheiten grenzüberschreitender Bildungsangebote noch immer nicht ausreichend in politischen und administrativen Prozessen verankert sind. Die nötigen Rahmenbedingungen für das grenzüberschreitende Lernen sollten für zukünftige Krisensituationen aber unbedingt gesichert werden. Dazu gehören neben operativen Erfordernissen vor allem vertrauensvolle deutsch-französische Kooperationsbeziehungen, die im Zuge der Grenzschließung zeitweise angespannt waren und das gemeinsame Handeln der zuständigen Akteure blockierten.

Funk/Wille (2022): Stresstest für die Jugendmobilität im Grenzraum. Grenzüberschreitende Berufsausbildung und Studium während der Pandemie – Erfahrungen und Perspektiven. Panorama. Deutsch-französische und europäische Analysen 2. mehr Info
Funk/Wille (2022): Enjeux de la mobilité des jeunes dans l’espace frontalier. Apprentissages et cursus universitaires transfrontaliers pendant la pandémie : expériences et perspectives. Panorama. Analyses franco-allemandes et européennes 2. mehr Info