Kurzes statistisches Porträt

Anlässlich des 12. Gipfels der Großregion (2011) haben die Statistischen Ämter der Großregion die regelmäßig erscheinende Broschüre „Statistiques en bref – Statistische Kurzinformationen“ aktualisiert. Die Informationen darin reichen von Bevölkerungsstruktur, Kultur und Tourismus, Wohnraum über Verkehr, Gesundheit, Beschäftigung bis hin zu Erwerbslosigkeit. Deutlich wird, dass Luxemburg im interregionalen Vergleich nicht immer eine gute Figur macht.

Bevölkerungsstruktur

Es zeigt sich nicht nur, dass Luxemburg etwa so groß ist wie das Saarland, in dem aber doppelt so viele Menschen leben, ebenso werden Unterschiede hinsichtlich der Bevölkerungsstrukturen deutlich. Während die beiden deutschen Bundesländer die höchsten Altenquoten aufweisen, schneiden Wallonien, Lothringen und insbesondere das Großherzogtum besser ab. Das bedeutet, in Luxemburg kommen auf 1 000 Einwohner zwischen 20 und 59 Jahre nur 329 Personen über 60 Jahre. Im Saarland sind es z. B. 1,5-mal mehr ältere Menschen (506). Eine umgekehrte regionale Schieflage ergibt sich hinsichtlich der Jugendquote. Deutlich wird damit, dass die Einwohner der französisch- und mehrsprachigen Teilgebiete im Schnitt jünger sind als Rheinland-Pfälzer oder Saarländer. Diese Situation lässt sich anhand der jeweiligen Geburten- und Sterbeziffern sowie der Abwanderungen herleiten, die tendenziell eher junge Menschen zur Realisierung ihrer Lebens- und Erwerbsprojekte in Betracht ziehen.

Die genannten Indikatoren verweisen auch auf die Bevölkerungsentwicklung insgesamt: Etwa wenn das vom Strukturwandel gezeichnete Lothringen, Saarland und Wallonien in den letzten Jahren Bevölkerungseinbußen bzw. -stagnationen durch Abwanderung – bei ausbleibender Zuwanderung – hinnehmen müssen. Anders hingegen in Rheinland-Pfalz und im Großherzogtum, die noch Zuwanderer anziehen. Werden die sog. natürlichen Bevölkerungsbewegungen (Geborene/Gestorbene) und die Wanderungsbewegungen (Zugezogene/Abgewanderte) zusammengenommen, schlagen die Abwanderung von jungen Menschen bzw. die niedrigen Geburtenzahlen in den beiden deutschen Bundesländern durch. Denn während sie in den letzten zehn Jahren den Bevölkerungsrückgang nicht aufhalten konnten, verzeichnen die anderen Teilgebiete eine Bevölkerungszunahme – besonders das Großherzogtum. Auch in Zukunft wird Luxemburg eine gute Figur machen. Denn bis 2030 soll hier die Einwohnerzahl um fast 30 % weiter ansteigen, weit gefolgt von Wallonien (ca. +6 %). In den anderen Teilgebieten wird die Einwohnerzahl zurückgehen, vor allem in den bereits heute vom demographischen Wandel gezeichneten deutschen Bundesländern. Die Bevölkerung in der Großregion wird außerdem in den nächsten zwanzig Jahren älter werden. Lediglich in Luxemburg wird der Alterungsprozess durch den weiterhin wachsenden Anteil der unter 20-Jährigen abgefangen.

Kultur und Tourismus

Das kulturelle Angebot in Luxemburg fällt auf den ersten Blick bescheidener als in den restlichen Teilgebieten. Jedoch wird es – mit Ausnahme der 15 öffentlichen Bibliotheken – sehr stark genutzt. So hat das Großherzogtum zwar nur 13 Kinos (ggb. 72 Kinos in Rheinland-Pfalz), aber das Filmangebot wird weit überdurchschnittlich frequentiert. Ähnlich verhält es sich mit den 45 Museen im Großherzogtum, die doppelt so oft besucht werden wie z. B. die 57 Museen im Saarland. Mit 18 Theatern liegt Luxemburg an der Spitze im Vergleich der Teilgebiete, ebenso wie mit den Theaterbesuchen je 1 000 Einwohner (186). Dieses statistisch gezeichnete Bild erweckt den Eindruck, dass ‚die Luxemburger’ zwar über weniger kulturelle Infrastrukturen verfügen, aber außerordentlich kulturbegeistert sind. Zu hinterfragen wäre, wer das kulturelle Angebot nutzt. Denn es sind vermutlich überwiegend Nicht-Ansässige „en passage“, wie Touristen, internationale Arbeitsnomaden oder Grenzgänger, die gerne Filme im Originalton ansehen oder in Museen gehen. Ferner ist die noch junge Philharmonie von internationalem Rang hervorzuheben, die Besucher aus der Großregion und darüber hinaus anzieht. Die touristischen Eckdaten stützen diese These: Nach Rheinland-Pfalz – als attraktive Wein- und Freizeitregion – rangiert Luxemburg gleich auf Platz zwei der Gästeübernachtungen in der Großregion, wobei die Touristen im Schnitt nicht mal zwei Tage bleiben. Dies lässt annehmen, dass das Großherzogtum – trotz seiner überaus attraktiven Naturräume – weniger für den Erholungsurlaub, denn vielmehr für den kulturellen Abstecher „en passage“ genutzt wird.

Wohnraum

Wird sich neuem und attraktivem Wohnraum in der Großregion zugewandt, so liegt das Großherzogtum statistisch an der Spitze. Im Vergleich der Teilgebiete wurden hier die meisten Wohnungen im Jahr 2009 fertig gestellt. Auf 100 000 Einwohner kamen 909 neue Wohnungen, gefolgt von Lothringen mit nur 534 Wohnungen. Die wenigsten Wohnungen wurden in den beiden deutschen Bundesländern neu gebaut. Zwar verweist die Zahl der neuen Wohnungen auf eine rege Bautätigkeit und auf einen gewissen Bedarf im Großherzogtum, jedoch bleibt offen, um wen es sich bei den Mietern oder Eigentümern handelt. Um (zugezogene) Privatpersonen, um EU-Beamte oder um internationale Manager „en passage“? Nicht zuletzt zeigt die wachsende Zahl der Personen, die ihren Wohnsitz aus Luxemburg in eine angrenzende Region verlagern, dass die anderen Teilgebiete durchaus mit Wohnraum zu vernünftigen Preisen punkten können.

Verkehr

Über die Verkehrsinfrastruktur in der Großregion gibt die Broschüre nur wenig Auskunft, jedoch über die Pkw-Dichte. Die wenigsten Pkws je 1 000 Einwohner zählen Wallonien (459) und Lothringen (523), gefolgt von Rheinland-Pfalz (553) und dem Saarland (567). An der Spitze liegt Luxemburg mit 666 Pkws als das am stärksten motorisierte Land in Europa. Im Großherzogtum gibt es keinen Autobauer, der den Markt entsprechend ‚bestellt’, die Gründe für die ca. 1,4 Pkw pro Privathaushalt sind demnach woanders zu suchen. Einige Denkanstöße gibt die junge Generation: Luxemburger Jugendliche bevorzugen, so die aktuelle Strukturberichterstattung, das Auto und erachten es als unentbehrlich im Alltag. Als eher lästig empfinden sie die Wegstrecken zu Haltestellen oder Bahnhöfen, das Umsteigen im ÖPNV und die Informationssuche nach Fahrzeiten und Linien. Umweltschutz spielt für sie eine nachrangige Rolle und sie glauben, dass die Medien in punkto Nachhaltigkeit übertreiben.

Gesundheit

Die Gesundheitsinfrastruktur in Luxemburg rangiert relativ abgeschlagen im großregionalen Vergleich. Zwar scheinen vergleichsweise viele Personen als Krankenpflegepersonal, Hebammen, Physiotherapeuten usw. im luxemburgischen Gesundheitswesen zu arbeiten, auf 100 000 Einwohner kommen jedoch nur 552 Krankenhausbetten. Nur das dünn besiedelte Lothringen zählt noch weniger Betten. Ebenso ist die Ärzte- und Apothekendichte im Großherzogtum ausgesprochen niedrig, hingegen wartet Luxemburg mit den meisten Zahnärzten auf (74 je 100 000 Einwohner). Die insgesamt beste Ärzteversorgung haben die Einwohner des Saarlandes und Walloniens.

Beschäftigung

Dem allgemeinen Trend folgend, ist auch in der Großregion der Dienstleistungssektor von Bedeutung. Fast drei Viertel der 4,8 Millionen Beschäftigten arbeiten in dieser Branche, anteilsmäßig besonders im Großherzogtum und in Wallonien. Im Saarland und in Rheinland-Pfalz hingegen arbeitet jeweils ca. ein Fünftel der lokalen Beschäftigten in der Industrie – in Luxemburg sind es gerade mal 10,5 %. Dafür nehmen die Bautätigkeiten im Großherzogtum das größte Gewicht am Arbeitsmarkt im Vergleich der Teilgebiete ein: Über 10% der in Luxemburg beschäftigten Menschen arbeiten in der Bauwirtschaft, überwiegend Portugiesen und Grenzgänger aus Deutschland.

Erwerbslosigkeit

Die Kehrseite von Erwerbstätigkeit zeigt, dass besonders die noch im Strukturwandel befindlichen Gebiete der Großregion mit Problemen zu kämpfen haben. Dies ist in Lothringen  und Wallonien mit einer Arbeitslosenquote von 11,6 % bzw. 11,2 % unübersehbar, gefolgt vom Saarland (8,3 %). Am besten schneiden Rheinland-Pfalz (6 %) und Luxemburg (5,1 %) ab, wobei das Großherzogtum in den letzten Jahren Rekordquoten erreichte. Dies ist nicht nur auf die jüngste Wirtschafts- und Finanzkrise zurückzuführen, in der die Grenzgänger – bedingt durch Zeitarbeit, Industriebeschäftigung, kurze Unternehmenszugehörigkeiten usw. – einen gewissen „rôle de régulateur“ spielten. Das Anwachsen der Arbeitslosenzahlen in Luxemburg bleibt vor allem der Nachfrage nach hochqualifiziertem Personal geschuldet, das noch weitgehend aus dem Ausland rekrutiert wird. Zwar verfügt das Großherzogtum mit seiner jungen Universität nun über eine eigene Fachkräfteschmiede, spürbare Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt werden sich jedoch erst nach einer gewissen Latenzzeit entfalten und wenn es gelingt, die gut qualifizierten jungen Menschen in den privaten Sektor zu lenken. Ferner ist die Leistungsfähigkeit des luxemburgischen Bildungssystems zu hinterfragen, wenn unter den Arbeitlosen in Luxemburg viele ansässige Ausländer und Jugendliche gezählt werden. Im benachbarten Lothringen und in Wallonien ist die Beschäftigungssituation junger Menschen noch dramatischer.


Dieser Text wurde in einer erweiterten Fassung publiziert als: Wille, Christian: Luxemburg macht nicht immer eine gute Figur. Kurze statistische Information aus der Großregion. In: Forum für Politik, Gesellschaft und Kultur in Luxemburg. Luxemburg, Nr. 309, 2011, S. 7-9. download

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