Grenzgänger in der Schweiz

Die Schweiz ist ein Hotspot für Grenzgänger. Eine umfassende Analyse des Phänomens muss allerdings über sozioökonomische Betrachtungen des Arbeitsmarkts hinausgehen und seine  vielfältigen Mobilitätstypen berücksichtigen. Im Projekt „Zur Situation der Grenzgänger in der Schweiz“ untersuchen Wissenschaftler der Universitäten Basel, Luxemburg und Genf das Phänomen in transnationaler und soziokultureller Perspektive.

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Grenzüberschreitender Arbeitsmarkt: Visionen und Wirklichkeiten

Ob die Pendlerbewegungen in der Großregion SaarLorLux eine fortgeschrittene Integration anzeigen oder ob sie eher für sozioökonomische Ungleichgewichte zwischen den Teilgebieten stehen, diskutiert C. Wille in seinem jüngsten Beitrag. Dafür werden zentrale Entwicklungen des grenzüberschreitenden Arbeitsmarkts rekonstruiert und arbeitsmarktpolitischen Visionen gegenübergestellt.

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Sprachen und Kulturen am Arbeitsplatz

Täglich pendeln 165.000 Grenzgänger aus Deutschland, Frankreich oder Belgien in das dreisprachige Luxemburg ein, womit sich vielfältige sprachliche und kulturelle Konstellationen der Zusammenarbeit ergeben. Diese wurden in einer Studie dahingehend befragt, wie Mehrsprachigkeit und Interkulturalität von Grenzgängern erlebt und bewältigt wird. Die Ergebnisse wurden aus Interviews, Interaktionsanalysen und schriftlichen Befragungen gewonnen.

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Grenzgänger in der Großregion SaarLorLux

In der Großregion SaarLorLux überqueren täglich mehr als 200.000 Beschäftigte eine nationale Grenze auf dem Weg an ihren Arbeitsplatz. Diese Grenzgängerströme sind einzigartig in Europa. Während vor allem Franzosen und Belgier im benachbarten Ausland arbeiten, machen auch immer mehr Deutsche den Sprung über die Grenze. Zwei Regionen sind dabei von zentraler Bedeutung: Lothringen mit 100.000 Auspendlern und Luxemburg, wo fast drei Viertel aller Grenzgänger des Kooperationsraums arbeiten. Aktuell (2012) stellen die 155.000 Grenzgänger im Großherzogtum 43 Prozent der dort Beschäftigten – 1980 lag ihr Anteil noch bei 9 Prozent. Dieser Entwicklung hat zu einer diversifizierten Arbeitswelt geführt, in der unterschiedliche Berufsausbildungen, Sprachen und Arbeitsweisen aufeinander treffen.

Atypische Grenzgänger

Das grenzüberschreitende Pendeln über nationale Grenzen wurde durch den Europäischen Einigungsprozess spürbar erleichtert. In diesem Zuge wurde auch der sozial- und steuerrechtliche Status des Grenzgängers definiert. Diese Definition unterscheidet aber nicht zwischen Grenzgängern, die aus ihrer ‚angestammten Region’ ins benachbarte Ausland pendeln und solchen, die aus dem benachbarten Ausland in die ‚angestammte Region’ an ihren Arbeitsplatz kommen. Das letztgenannte atypische Grenzgängerwesen gewinnt in der Großregion SaarLorLux jedoch zunehmend an Bedeutung.

Jobsuche und Einstellungspraktiken

Ein Großteil der Grenzgänger hat die ersten Stelle als Pendler über persönliche Kontakte gefunden; z. B. durch Hinweise von Familienangehörigen, Freunden oder Nachbarn, die schon über die Grenze pendelten. Einige Unternehmen nutzen diese Informationskanäle: „Normalerweise sagen wir unseren Mitarbeitern Bescheid und dann bewirbt sich schon bald jemand. An jedem Mitarbeiter hängen ja hinten noch zehn weitere potentielle Arbeitskräfte dran.“, kommentiert ein Personalverantwortlicher. So kann es vorkommen, dass ganze Dörfer oder Siedlungen in einem bestimmten Unternehmen arbeiten.

Probleme am Arbeitsplatz

Mehrsprachigkeit und Multikulturalität kennzeichnen besonders den Arbeitsmarkt in Luxemburg. Gleichzeitig sind sie oftmals Quelle von Problemen am Arbeitsplatz. Zwar arbeiten viele Grenzgängern mit Kollegen aus dem eigenen Land, dennoch werden unterschiedliche Sprachen und Arbeitsstile als Hauptgründe von Missverständnissen im Job genannt. Die Beschreibungen der Arbeitsweisen von Deutschen, Franzosen und Luxemburgern entsprechen weitgehend den bekannten Klischees, mit denen Grenzgänger unterschiedlich umgehen. So passen sich einige der Befragten den Kollegen an, andere hingegen setzen sich gegen die Kollegen durch. Um Spannungen im Team zu vermeiden, entscheiden sich inzwischen einige Unternehmen dafür, nur noch Grenzgänger aus einem bestimmten Land zu beschäftigen.

Wohnregion bleibt wichtiger Bezugspunkt

Grenzgänger leben und arbeiten in zwei Ländern und werden gerne als Vorzeigeeuropäer bezeichnet. Damit verbunden ist oft die Annahme, Grenzgänger hätten eine grenzüberschreitende Identität. Grenzgänger fühlen sich in der Tat europäisch und besitzen ein Bewusstsein für die Großregion SaarLorLux. Die größte Zugehörigkeit jedoch empfinden sie gegenüber ihrer Wohnregion und ihrem Wohnland. Zwei zentrale Gründe für das nur relative Zugehörigkeitsempfinden zur Großregion und zur Arbeitsregion können angeführt werden: Zum einen der politische Charakter der Großregion, womit der Begriff für viele Bewohner alltagsfern bleibt und wenig Identifikationsfläche bietet. Zum anderen das verbreitete Beibehalten des Lebensmittelpunkts in der Wohnregion. Grenzgänger, deren Privatleben auch in der Arbeitsregion stattfindet, sind zumeist jünger und ohne familiäre Verpflichtungen.